Der ultimative Leitfaden zum Schutz gegen Erdschluss in AC-Systemen

Einleitung: Eine Lektion in Tragödie geschrieben

An einem feuchten Dienstagmorgen brummte eine Großküche mit dem vertrauten Klappern der Vorbereitungsarbeiten. Ein altgedienter Mixer aus rostfreiem Stahl verstummte plötzlich. Ein junger Küchenhelfer, der versuchte, ihn wieder in Gang zu setzen, spürte einen kräftigen Ruck, als seine Hand das Gehäuse der Maschine berührte. Er brach zusammen und erlitt einen schweren Stromschlag. Die anschließende Untersuchung ergab, dass es sich um einen katastrophalen Fehler handelte: Durch jahrelangen Gebrauch war die Isolierung der internen Kabel des Mixers abgenutzt, so dass das Metallgehäuse unter Spannung stand. Die elektrische Schalttafel des Gebäudes verfügte über Schutzschalter für Überlastungen, aber das einzige Gerät, das sein Leben hätte retten können - ein Fehlerstromschutzschalter - war nicht vorhanden.

Diese Tragödie war, wie unzählige andere auf Baustellen, in Werkstätten und sogar in Privathaushalten, völlig vermeidbar. Der kleine, unsichtbare Strom, der von dem fehlerhaften Gerät durch den Körper des Opfers auf den Boden gelangte, war ein stiller Killer. Dieser Vorfall erinnert uns eindringlich an ein grundlegendes Prinzip der elektrischen Sicherheit: Es reicht nicht aus, sich vor Überlastungen zu schützen. Dies ist der Punkt Differenzialschutz wird von einer technischen Spezifikation zu einer lebensrettenden Notwendigkeit. Es ist die kritische Sicherheitsschicht, die genau die Art von Fehler erkennt, die zu diesem vermeidbaren Tod führte, und die Stromversorgung in Millisekunden unterbricht, lange bevor eine tödliche Dosis Strom abgegeben werden kann.

Was sind Erdschlussverluste? Die stille Gefahr verstehen

Um die Lösung zu verstehen, muss man zunächst das Problem vollständig begreifen. Erdschluss ist ein subtiles, aber gefährliches elektrisches Phänomen, das auftritt, wenn der Strom seinen vorgesehenen Weg verlässt und in die Erde fließt. In einem sicheren und gesunden elektrischen System sollte dies niemals passieren.

Die Grundlagen eines symmetrischen Stromkreises

Das Herzstück eines jeden Wechselstromsystems ist ein einfaches Gleichgewichtsprinzip, das durch das Kirchhoffsche Stromgesetz bestimmt wird. In einem einphasigen Stromkreis fließt der Strom von der Stromquelle über den stromführenden Leiter (oder Phasenleiter) zur Last (z. B. ein Gerät oder eine Lampe). Anschließend fließt er über den Neutralleiter zur Quelle zurück. In einem perfekt ausgeglichenen und isolierten System ist der Strom, der durch den stromführenden Leiter fließt, genau gleich groß wie der Strom, der durch den Neutralleiter zurückfließt. Ihre Magnetfelder sind gleich groß und entgegengesetzt, so dass sie sich gegenseitig aufheben. Dieses Gleichgewicht ist das Kennzeichen eines sicheren, funktionierenden Stromkreises. Der Schutzleiter ist eine reine Sicherheitsmaßnahme und sollte unter normalen Betriebsbedingungen keinen Strom führen.

Die Ursachen für gefährliche Erdschlussverluste

Ein Erdschlussfehler tritt auf, wenn dieses empfindliche Gleichgewicht gestört ist. Ein Teil des Stroms findet einen alternativen, unbeabsichtigten Weg zur Erde und “entweicht” aus dem Primärstromkreis. Diese gefährliche Umleitung führt dazu, dass der über den Neutralleiter zurückfließende Strom nun geringer ist als der vom stromführenden Leiter gelieferte Strom. Dieses Ungleichgewicht kann durch verschiedene Faktoren verursacht werden, die oft mit einer Verschlechterung oder Beschädigung zusammenhängen:

  • Versagen der Isolierung: Dies ist der häufigste Grund dafür. Im Laufe der Zeit kann sich die schützende Isolierung um die Leiter durch Hitze, Alterung, chemische Einwirkung, UV-Strahlung oder mechanische Belastung abbauen. Wenn sie spröde, rissig oder abgenutzt wird, kann sie den stromführenden Leiter freilegen, so dass der Strom in ein angrenzendes leitfähiges Material, z. B. ein Metallgehäuse oder eine Leitung, austreten kann. 
  • Feuchtigkeit und Verschmutzung: Wasser ist ein hervorragender Leiter für Elektrizität. Das Eindringen von Feuchtigkeit in Gehäuse, Leitungen oder Geräte - durch Feuchtigkeit, Lecks oder direkte Wassereinwirkung - kann einen leitfähigen Pfad von stromführenden Teilen zu geerdeten Metallteilen schaffen. Staub und Schmutz, insbesondere in Kombination mit Feuchtigkeit, können ebenfalls leitfähig werden und Kriechströme begünstigen.
  • Unbeabsichtigter direkter Kontakt: Das gefährlichste Szenario ist, wenn eine Person den Weg zur Erde herstellt. Durch Berühren eines stromführenden Bauteils, das mit der Erde oder einem geerdeten Gegenstand in Kontakt steht, wird der menschliche Körper Teil des Stromkreises, und der daraus resultierende Stromfluss kann tödlich sein.
  • Defekte Verkabelung oder Ausrüstung: Schlecht ausgeführte Elektroinstallationen, lockere Verbindungen oder defekte Geräte sind wichtige Quellen für Erdschlüsse. Ein interner Fehler in einer Waschmaschine kann beispielsweise das Metallgehäuse unter Strom setzen, was für jeden, der es berührt, eine große Gefahr darstellt.

Die Gefahr des Erdschlusses liegt in seiner Heimlichkeit. Ein Strom von nur 30 Milliampere (0,030 Ampere), der durch den menschlichen Körper fließt, kann Kammerflimmern auslösen - ein chaotisches Zittern des Herzens, das die häufigste Todesursache bei Stromschlägen ist. Standard-Stromkreisunterbrecher, die bei 10, 20 oder sogar 100 Ampere auslösen, um vor Überlastungen und Kurzschlüssen zu schützen, sind für diese kleinen, tödlichen Leckströme völlig blind.


Abb. 1: Ein visueller Vergleich des Stromflusses in einem gesunden System (links) und einem System mit einem aktiven Erdschlussfehler (rechts).

Die Lösung: Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (FI-Schutzschalter) und RCBOs

Die spezielle Lösung zur Minderung der Risiken von Erdschlüssen ist das Fehlerstrom-Schutzeinrichtung (RCD). Er ist weltweit unter verschiedenen Namen bekannt (z. B. Ground Fault Circuit Interrupter oder GFCI in Nordamerika), seine Funktion bleibt jedoch dieselbe. Ein FI-Schalter ist ein intelligenter Sicherheitsschalter, der das Gleichgewicht des Stroms zwischen dem stromführenden und dem neutralen Leiter kontinuierlich überwacht.

Sein Hauptzweck besteht darin, die winzigen, gefährlichen Ungleichgewichte zu erkennen, die durch Erdschlussströme verursacht werden. Wenn er eine Abweichung feststellt, die seine vordefinierte Auslöseschwelle (z. B. 30 mA) überschreitet, unterbricht er die Stromversorgung fast sofort - in der Regel innerhalb von 30 Millisekunden. Diese schnelle Reaktion ist schnell genug, um einen tödlichen Stromschlag zu verhindern. Ein eng verwandtes Gerät, der Fehlerstrom-Schutzschalter mit Überstromschutz (RCBO), integriert diese lebensrettende Fähigkeit mit den Funktionen eines herkömmlichen Leistungsschalters und bietet so eine komplette Schutzlösung in einem einzigen Gerät. 

Tiefes Eintauchen: Das Funktionsprinzip des Ableitstromschutzes

Die Genialität des FI-Schutzschalters liegt in seinem eleganten und zuverlässigen Funktionsprinzip, das sich um ein Bauteil dreht, das als Kerngleichgewichtsstromwandler (CBCT), auch bekannt als Nullstromwandler (ZCT), bezeichnet wird. Das Verständnis dieser Funktionsweise ist der Schlüssel zum Verständnis der Wirksamkeit von Differenzialschutz.

Der CBCT ist ein kleiner, ringförmiger Transformator, durch den sowohl der stromführende als auch der neutrale Leiter des Stromkreises geführt werden. Im Folgenden wird seine Funktionsweise Schritt für Schritt beschrieben:

  1. Gesunder Zustand (Ausgeglichener Strom): In einem normalen, fehlerfreien Stromkreis ist der Strom, der über den stromführenden Leiter zur Last fließt, identisch mit dem Strom, der von der Last über den Nullleiter zurückfließt. Wenn diese beiden Leiter durch den Kern des CBCT laufen, erzeugen ihre gleichen und entgegengesetzten Ströme Magnetfelder (Fluss), die ebenfalls gleich und entgegengesetzt sind. Diese Felder heben sich gegenseitig vollständig auf. Folglich gibt es im Kern keinen magnetischen Nettofluss.
  2. Erdschlussfehler (unsymmetrischer Strom): Stellen Sie sich nun vor, es tritt ein Fehler auf. Eine Person berührt ein stromführendes Kabel, oder durch eine fehlerhafte Isolierung kann Strom vom Gehäuse eines Geräts zur Erde entweichen. Ein Teil des Stroms umgeht nun den Neutralleiter und fließt direkt in die Erde. Der Strom im stromführenden Leiter ist nun größer als der Strom im Neutralleiter.
  3. Erkennung: Dieses Ungleichgewicht bedeutet, dass sich die von den beiden Leitern innerhalb der CBCT erzeugten Magnetfelder nicht mehr gegenseitig aufheben. Im Kern wird ein magnetischer Nettofluss erzeugt, der proportional zur Höhe des Leckstroms ist.
  4. Stolpern: Das CBCT hat eine dritte Wicklung - eine sekundäre Messspule. Der wechselnde magnetische Fluss im Kern induziert einen kleinen Strom in dieser Sensorspule. Dieser Strom fließt zu einem hochempfindlichen Auslösemechanismus.
  5. Unterbrechung der Verbindung: Der Auslösemechanismus ist ein Relais, das mit einem Schalter verbunden ist. Wenn der Strom von der Messspule einen bestimmten, werkseitig eingestellten Wert erreicht (entsprechend der Empfindlichkeit des FI-Schalters, z. B. 30 mA), wird das Relais aktiviert. Es öffnet die Kontakte des Hauptschalters, trennt sofort sowohl den stromführenden als auch den neutralen Leiter und unterbricht die Stromversorgung des fehlerhaften Stromkreises.

Dieser gesamte Prozess, von der Erkennung bis zur Abschaltung, geschieht in einem Bruchteil einer Sekunde und bietet einen robusten Schutz gegen Stromschläge.


Abb. 2: Das Funktionsprinzip eines FI-Schutzschalters, das zeigt, wie ein Stromungleichgewicht in den Primärleitern einen Auslösestrom in der Fühlerspule induziert.

[Bild: Hochwertiges Foto eines 4-poligen FI-Schutzschalters vom Typ B für den Schalttafeleinbau, das die Prüftaste und die Klemmen zeigt].

Die Wahl des richtigen Geräts: Eine vergleichende Analyse

Obwohl das Grundprinzip einheitlich ist, sind nicht alle Fehlerstromschutzeinrichtungen gleich. Die Auswahl des geeigneten Geräts für die jeweilige Anwendung ist entscheidend für die Gewährleistung der Sicherheit und der Zuverlässigkeit des Systems. Die erste wichtige Entscheidung ist die zwischen einem RCD und einem RCBO.

RCD vs. RCBO: Was ist der Unterschied?

Der Hauptunterschied liegt in ihrem Schutzumfang. Eine RCD ist ein Spezialgerät, dessen einzige Aufgabe darin besteht, die Differenzialschutz. Er ist völlig unempfindlich gegenüber Überströmen aus Überlastungen oder Kurzschlüssen. Daher muss ein FI-Schutzschalter immer in Verbindung mit einer separaten Überstromschutzeinrichtung wie einem Leitungsschutzschalter (MCB) oder einer Sicherung verwendet werden.

Eine RCBO, ist dagegen ein kombiniertes Gerät. Es integriert die Funktionen eines FI-Schutzschalters und eines MCB in einer einzigen, kompakten Einheit. Das bedeutet, dass es einen umfassenden Schutz gegen alle drei großen elektrischen Gefahren bietet: Erdschluss (Stromschlagschutz), Überlast (Brandgefahr) und Kurzschluss (Brand- und Explosionsgefahr). 

Hier ist ein direkter Vergleich:

MerkmalRCD (Fehlerstrom-Schutzeinrichtung)RCBO (Residual Current Circuit Breaker mit Überstrom)
Primäre FunktionSchutz gegen ErdschlussErdschluss- und Überstromschutz
SchutzumfangSchützt vor Stromschlägen durch Erdschlüsse.Schützt vor Stößen, Überlast und Kurzschlüssen.
Physische GrößeTypischerweise 2 Module breit auf einer DIN-Schiene.In der Regel 1 oder 2 Module breit (ein einzelnes Modul ist üblich).
VerkabelungErfordert eine Reihenschaltung mit einem separaten MCB für den Überstromschutz.In sich geschlossen, was die Verdrahtung vereinfacht und die Anzahl der Anschlüsse reduziert.
KostenIm Allgemeinen niedriger pro Einheit.Sie sind in der Regel pro Einheit teurer, können aber kostengünstiger sein als eine Kombination aus RCD und MCB.
AnmeldungWird häufig für den Gruppenschutz verwendet, bei dem ein FI-Schutzschalter mehrere Stromkreise schützt, die jeweils über einen eigenen MCB verfügen.Ideal für den Schutz einzelner Stromkreise, um zu verhindern, dass ein Fehler in einem Stromkreis andere auslöst.


Abb. 3: Ein RCBO kombiniert sowohl Fehlerstromerfassung als auch Überstromerkennung in einem einzigen Gerät.

[Bild: Eine DIN-Schiene mit einem kompakten Einzelmodul-FCBO, der zum Größenvergleich neben einem Standard-MCB installiert ist].

Arten von RCDs: Anpassung des Geräts an die Last

Die Wahl des falschen Typ eines FI-Schutzschalters kann ebenso gefährlich sein wie das völlige Weglassen eines solchen. Moderne elektrische und elektronische Lasten können komplexe Leckströme erzeugen, die von älteren FI-Schutzschaltern nicht erkannt werden. Dies kann zu zwei kritischen Problemen führen: Fehlauslösungen (das Gerät löst aus, ohne dass ein echter Fehler vorliegt) oder, was noch viel schlimmer ist, es löst bei einem echten Fehler nicht aus. RCDs werden nach der Art des Fehlerstroms klassifiziert, den sie erkennen sollen. 

RCD-TypSymbolErmitteltTypische Anwendung
Typ AC~Nur sinusförmiger AC-Leckstrom.Für die meisten Anwendungen inzwischen weitgehend überholt. Nur noch für einfache, ohmsche Lasten wie Glühlampen und einfache elektrische Heizgeräte geeignet.
Typ A~ und pulsierende GleichstromkomponenteAC- und pulsierende DC-Leckagen.Der Standard für moderne Wohn- und Gewerbeanlagen. Geeignet für einphasige Lasten mit Elektronik, wie z. B. PCs, Server, Waschmaschinen und elektronische Geräte der Klasse 1.
Typ F~ und gemischte FrequenzkomponenteAlle Funktionen des Typs A, plus Hochfrequenz-Wechselstrom und pulsierende Gleichstromableitung.Für Lasten mit einphasigen drehzahlvariablen Antrieben (VFDs), wie z. B. moderne hocheffiziente Waschmaschinen, Wärmepumpen und einige Klimageräte.
Typ B~ und glatte DC-KomponenteAlle Funktionen des Typs F, plus glatte DC-Leckage.Unverzichtbar für dreiphasige elektronische Geräte, wie z. B. Ladegeräte für Elektrofahrzeuge, Wechselrichter für Solarpanels, medizinische Bildgebungsgeräte (MRT, CT-Scanner) und industrielle VFDs.
Empfindlichkeitsbewertungen (IΔn):

Zusätzlich zum Typ haben RCDs eine Empfindlichkeitsstufe, die als IΔn (Bemessungs-Restbetriebsstrom) bezeichnet wird. Damit wird der Schwellenwert des Ableitstroms definiert, bei dem das Gerät auslöst.

  • 30mA (hohe Empfindlichkeit): Dies ist der Standard für den Personenschutz. Er ist für Steckdosen und Stromkreise an gefährdeten Orten vorgeschrieben, da er so ausgelegt ist, dass er weit unter dem Stromwert auslöst, der Herzkammerflimmern verursachen kann.
  • 100mA (mittlere Empfindlichkeit): Bietet einen guten Geräte- und Feuerschutz, jedoch einen geringeren Schutz vor Stößen. Wird häufig in Hauptstromkreisen eingesetzt, um einen Reserveschutz zu bieten und einen Brand zu verhindern, während nachgeschaltete FI-Schutzschalter mit niedrigerem Nennwert einen Personenschutz bieten.
  • 300mA (niedrige Empfindlichkeit): Wird in erster Linie für den Brandschutz vor Erdschlüssen verwendet, insbesondere in großen Industrieanlagen oder dort, wo die Gefahr hoher Erdschlussströme besteht. Er bietet keinen nennenswerten Schutz vor Personenschäden.

Reale Anwendungsszenarien für den Ableitstromschutz

Die Auswahl und Umsetzung von Differenzialschutz sind je nach Umfeld und Risiko sehr unterschiedlich.

Installationen für Wohngebäude

In modernen Haushalten hat Sicherheit oberste Priorität. Die Vorschriften in den meisten Ländern schreiben einen 30-mA-Erdschlussschutz für alle Steckdosen sowie für Stromkreise vor, die Bäder und Außengeräte versorgen. Die beste Praxis ist die Verwendung von FI-Schutzschaltern für einzelne Stromkreise. Dadurch wird sichergestellt, dass ein Fehler in der Hauptleitung im Erdgeschoss nicht dazu führt, dass die Beleuchtung im Obergeschoss im Dunkeln bleibt. Die Verwendung von FI-Schutzschaltern für kritische Stromkreise, wie z. B. den Computer im Büro, die Gefriertruhe oder das Sicherheitssystem, erhöht die Zuverlässigkeit und verhindert Datenverluste oder den Verderb von Lebensmitteln aufgrund einer Störung an anderer Stelle im Haus.

Gewerbliche und industrielle Einstellungen

Die Komplexität der Lasten in gewerblichen und industriellen Umgebungen erfordert eine sorgfältige Spezifikation. Die zunehmende Verbreitung von Antrieben mit variabler Frequenz (VFDs) in Motoren, HLK-Systemen und Industriemaschinen erfordert den Einsatz von RCDs vom Typ B. Ein Standard-RCD des Typs A kann durch die von diesen Antrieben erzeugten Gleichstromableitströme “geblendet” werden und nicht auslösen. Üblich ist ein hierarchisches oder koordiniertes Schutzschema, bei dem ein zeitverzögerter, weniger empfindlicher RCD (z. B. 300 mA Typ S) am Hauptverteiler für Brandschutz und Reserve sorgt, während einzelne 30-mA-Fehlerstromschutzschalter nachgeschaltet den Personenschutz für die Endstromkreise gewährleisten. Dies gewährleistet eine Unterscheidung, d. h. nur das Gerät, das dem Fehler am nächsten ist, löst aus.

Hochrisiko-Umgebungen (Baustellen, Medizin)

In Umgebungen, in denen die Gefahr eines Stromschlags besonders hoch ist, sind die Anforderungen noch strenger. Auf Baustellen schafft die Kombination aus provisorischer Verkabelung, schweren tragbaren Werkzeugen und nassen Bedingungen ein perfektes Umfeld für Stromunfälle. Die obligatorische Verwendung von 30-mA-RCDs oder RCBOs in allen Stromkreisen in Verbindung mit einem strengen Regime regelmäßiger Tests ist nicht verhandelbar.

Medizinische Einrichtungen haben ihre eigenen einzigartigen und komplexen Anforderungen. In Bereichen wie Operationssälen, “körpergeschützten” und “herzgeschützten” elektrischen Bereichen werden isolierte Stromversorgungssysteme (IPS) mit Line Isolation Monitors (LIMs) anstelle von Standard-RCDs verwendet, um die Kontinuität der Versorgung für lebenserhaltende Geräte zu gewährleisten und gleichzeitig den ersten Erdschluss zu überwachen.

Ein praktischer Leitfaden zur Fehlerbehebung bei Störungsauslösungen

Auch wenn FI-Schutzschalter und FI-Schutzschalter Lebensretter sind, können sie manchmal eine Quelle der Frustration sein, wenn sie ohne ersichtlichen Grund auslösen. Diese “Störungsauslösung” ist störend, aber es ist wichtig, sich daran zu erinnern, dass das Gerät oft seine Aufgabe erfüllt, indem es einen subtilen oder intermittierenden Fehler erkennt. Die Fehlersuche sollte immer von einem qualifizierten Elektriker durchgeführt werden, aber es ist wichtig, den Prozess zu verstehen.

Das folgende Flussdiagramm skizziert einen systematischen Ansatz zur Ermittlung der Ursache für die Auslösung eines FI-Schalters.


Abb. 4: Systematischer Ansatz zur Identifizierung der Quelle einer RCD-Auslösung.

Im Folgenden werden die Schritte zur Fehlerbehebung erläutert:

  1. Erstmaliger Reset & Beobachtung: Versuchen Sie einmal, den FI-Schutzschalter zurückzusetzen. Löst er sofort aus (was auf einen permanenten Fehler hinweist) oder erst nach einer Verzögerung oder intermittierend (was auf einen Geräte- oder Feuchtigkeitsfehler hindeutet)?
  2. Stromkreise isolieren (für Gruppen-RCDs): Wenn der ausgelöste FI-Schutzschalter eine Gruppe von Stromkreisen schützt, schalten Sie alle zugehörigen Sicherungsautomaten aus. Setzen Sie den FI-Schutzschalter zurück. Wenn er nun eingeschaltet bleibt, liegt der Fehler in einem der Stromkreise.
  3. Identifizieren Sie den fehlerhaften Stromkreis: Schalten Sie die Sicherungsautomaten nacheinander wieder ein, mit einer kurzen Pause dazwischen. Der Stromkreis, der den FI-Schutzschalter zum Auslösen bringt, ist derjenige, der den Fehler enthält.
  4. Geräte isolieren: Ziehen Sie in dem festgestellten fehlerhaften Stromkreis alle angeschlossenen Geräte aus der Steckdose. Dazu gehört alles, von Lampen und Fernsehern bis hin zu Verlängerungskabeln und Telefonladegeräten. Setzen Sie den FI-Schutzschalter (oder den FI-Schutzschalter und den zugehörigen MCB) zurück. Wenn er jetzt hält, liegt der Fehler bei einem der ausgesteckten Geräte.
  5. Identifizieren Sie das fehlerhafte Gerät: Schließen Sie die Geräte nacheinander an und schalten Sie sie ein. Das Gerät, das den FI-Schutzschalter auslöst, ist das fehlerhafte Gerät. Es sollte aus dem Betrieb genommen und repariert oder ausgetauscht werden.
  6. Fehler in der Verkabelung: Wenn der FI-Schutzschalter auch dann auslöst, wenn alle Geräte im Stromkreis ausgesteckt sind, liegt der Fehler höchstwahrscheinlich in der festen Verdrahtung selbst. Dies ist eine Aufgabe für einen professionellen Elektriker, der Tests, wie z. B. einen Isolationswiderstandstest, durchführen muss, um den Fehler zu lokalisieren und zu beheben.

Eine häufige Ursache für Fehlauslösungen in modernen Anlagen ist die kumulative Wirkung kleiner, normaler Leckströme von vielen elektronischen Geräten (PCs, Servern, Fernsehern). Jedes einzelne Gerät kann einen winzigen Leckstrom von deutlich unter 30 mA haben, aber wenn viele Geräte am selben Stromkreis angeschlossen sind, kann ihr kumulierter Leckstrom den Schwellenwert des FI-Schalters überschreiten. In diesem Fall besteht die Lösung darin, die Lasten auf mehrere RCD-geschützte Stromkreise aufzuteilen.

Schlussfolgerung: Erdschlussschutz zur Priorität machen

Von der tragischen Geschichte, mit der dieser Leitfaden beginnt, bis hin zu den technischen Feinheiten seiner Funktionsweise ist die Botschaft klar: Differenzialschutz ist eine nicht verhandelbare Säule der modernen elektrischen Sicherheit. Es ist die einzige Technologie, die speziell entwickelt wurde, um Menschenleben vor der stillen und unsichtbaren Gefahr kleiner Erdschlussströme zu schützen. Fehlerstromschutzschalter und FI-Schutzschalter sind nicht einfach nur Bauteile in einer Leiterplatte, sondern wachsame Wächter, die in Millisekunden einsatzbereit sind, um zu verhindern, dass ein Fehler zu einem Todesfall wird.

Als Fachmann sind Sie nicht nur für die Installation verantwortlich, sondern auch für die Beratung und Aufklärung. Das bedeutet, dass Sie Ihre Kunden und Kollegen auffordern, ihre FI-Schutzschalter regelmäßig zu prüfen - am besten durch monatliches Drücken der “T”- oder “Test”-Taste -, um sicherzustellen, dass sie funktionsfähig sind. Es bedeutet, auf dem richtigen Gerätetyp für die jeweilige Last zu bestehen und niemals an der falschen Stelle zu sparen. Und vor allem bedeutet es, dass die Auswahl, Installation und Fehlerbehebung dieser lebensrettenden Geräte immer von einem qualifizierten und lizenzierten Elektriker durchgeführt werden muss.